Does Diversity count for you???
Gedanken aus meinem Bewerbungsprozess.
Seit circa 10 Tagen bewerbe ich mich nun intensiver bei diversen Unternehmen. Meine Diplomarbeit werde ich in zwei Tagen abgeben. Dank guten Zeitmanagements mache ich mich gerade nicht verrückt und spüre auch keinen unmenschlichen Druck. Es läuft. Und ich weiß dies zu schätzen.
Beworben habe ich mich bei Unternehmensberatungen, kreativen Agenturen und Unternehmen in der Immobilienbranche mit Fokus auf Projektsteuerung. Erste Absagen habe ich von Roland Berger, McKinsey und auch einer kleinen “Boutique”-Unternehmensberatung aus München. Natürlich bin ich mir über deren Auswahlverfahren bewusst, und ja, mir war durchaus klar, dass meine alma mater nicht jedem Personaler ein Begriff sein wird. Ausschlaggebend für die Absagen war aber nicht nur, dass ich an einer “drittklassigen Ausbildungsstätte” war (wobei solche Urteile bei umstrittenen Rankings und meinen persönlichen Vergleichen mit Freunden an großen Unis nicht gerechtfertigt sind), sondern auch, dass ich bisher keine Beratererfahrung habe und keine wirkliche rote Linie in meinem Lebenslauf erkennbar ist.
Es mag vielleicht so klingen, aber persönlich hat mich das nicht gekränkt. Vielmehr wirft diese Auswahlroutine Fragen auf, wie sich solche Unternehmen weiterentwickeln wollen. Sollen alle Berater den gleichen akademischen Hintergrund mitbringen, nur kontinuierliche Erfahrungen in ein und der selben Industrie gesammelt haben? Auf Karriere-Seiten vieler firmeneigenen Websites sind Schlagwörter wie “Interkulturelle Kompetenz” und “Sozialkompetenz” zu finden. Beide Begriffe sind nicht greifbar. Dennoch scheinen Auslandssemester und Projektmanagementerfahrungen den Unternehmen als Beweis zu reichen.
Es ist meiner Ansicht nach einfach nur unbefriedigend.
Wie sich Unternehmen durch stereotype Einstellungsmerkmale weiterentwickeln wollen ist die eine Sache. Aber für die eigene Entwicklung der Persönlichkeit, die potenzielle Horizonterweiterung durch Kollegen mit komplett anderem Hintergrund, ist es entscheidend. Dabei ließe sich doch beides so gut ergänzen.
Mein Professor von der SFSU in San Francisco fragte einmal in einer Vorlesung, ob wir irgendein Verhalten als ein NICHT-rationales Verhalten erklären und beweisen könnten.
Analog dazu frage ich: Gibt es Unternehmen, die mit ihren Produkten oder Dienstleistungen NICHT auf das menschliche Nutzungsverhalten angewiesen sind?
Und genau da setzen meine Überlegungen an, wenn ich fordere, dass die Wertschätzung an Persönlichkeiten ohne erkennbaren roten Faden und mit unterschiedlichsten Erfahrungen neu überdacht werden sollte.
Jeder kennt es selbst: Mit Fachkollegen ist man häufiger gleicher Ansicht, als mit Leuten aus anderen Bereichen. Aber hier trifft analog “Routine” auf “Open Mindness”, also die Offenheit für neue Einflüsse aus anderen Fachgebieten.
Über Kommentare und Kritik freue ich mich.
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